Gebrochen und geheilt
Manchmal kommt es mir so vor, als ob es keine Hoffnung auf eine bessere Zukunft gibt. Es gibt so viel Gebrochenheit und Schmerz um uns herum. Oftmals habe ich in solchen Momenten mehr Fragen als Antworten. In solchen Momenten wird mir bewusst, wie „menschlich“ ich eigentlich bin. Eine Frage, die ich mir dann stelle, ist: Gibt es eine vollständige Wahrheit? Ist Gottes Wort die Grundlage der Wahrheit? Es ist schwer, Wahrheit von Lüge zu unterscheiden, wenn man in einer Welt lebt, in der Sünde tolerabel ist und man sich die Wahrheit selbst aussuchen kann.
Ohne eine vollständige Wahrheit befindet sich die Welt in einem Zustand von Chaos. Wir alle können das sicherlich bezeugen. Tief in unserem Inneren wissen wir, dass es eine vollständige Wahrheit geben muss, denn wir sehen sie oftmals in den kleinen Dingen des Alltags: Dinge wie die Erdanziehungskraft, die uns davon abhält, zu schweben. Die Tatsache, dass wir diesem Fakt zustimmen können, zeigt, dass es eine Wahrheit geben muss, die am Ende des Tages überwiegt.
Als Jesus auf der Erde war, sagte Er über sich selbst: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben (Joh. 14,6). Wenn wir uns dazu entscheiden, Seinem Wort zu glauben, dann bedeutet das gleichzeitig, dass Gott der Autor der Wahrheit und der einzige Weg zu einem Leben in Fülle und Ewigkeit ist. Es gibt eine Menge wissenschaftlicher Beweise über Jesu Existenz – Sein Leben, Sein Tod am Kreuz, Sein Grab, Seine Auferstehung und die Genauigkeit Seines Wortes. Als Christen handeln wir jedoch auch aus Glauben heraus, weil wir eine übernatürliche Macht erfahren, die wir weder sehen noch erklären können.
Wir müssen an der Wahrheit von Gottes Wort festhalten, auch wenn das in unserer Welt manchmal schwer ist. In Seinem Wort finden wir absolute Wahrheit. Wenn unser Schmerz dazu führt, dass wir Gott und Seine Gegenwart infrage stellen, dann können wir Seinem Wort vertrauen, weil wir wissen, dass die Wahrheit zum Frieden führt. Wir alle haben das schonmal erlebt.
Eines der bedeutendsten Dinge, die ich in letzter Zeit lernen durfte, war folgende Erkenntnis: Ich muss nicht zwangsläufig dieselbe Meinung haben, um jemanden zu lieben, denn wahre Liebe hält in allen Umständen stand. Wir können als Christen einen harten Glaubenskern haben und gleichzeitig unseren Nächsten lieben, der vielleicht ganz anders glaubt als ich.
Wir dürfen die besten Zuhörer sein und andere bedingungslos lieben, so wie Jesus es uns vorgelebt hat.
Ich habe über die Jahre gelernt, dass es okay ist, seine Menschlichkeit mit allen Emotionen, Fragen und Zweifeln anzuerkennen. Ich kann Zweifel und gleichzeitig Glauben haben. Es ist mir wichtig, ehrlich mit solchen Dingen umzugehen, denn menschliche Emotionen sind echt. Wenn wir unsere Gefühle missachten, entfernen wir uns nach und nach von der Wahrheit. Ich glaube fest daran, dass unsere Emotionen ein Weg sind, um eine tiefere Verbindung zu Gott und anderen zu haben. Ich erlebe zurzeit, dass ich still werden darf und gleichzeitig viel Zusicherung von Gott erfahre. Es sind solche Momente, in denen mich Gott einfach in Seine Arme nimmt, mich daran erinnert, dass ich Ihn brauche. Er weiß genau, was ich brauche. Er betet für mich mit einem Seufzen, das sich nicht in Worte fassen lässt (Röm. 8,26).
Auch wenn ich auf dieser Welt niemals vollkommen geheilt sein werde und nicht immer verstehen werde, wo Gott in manchen Situationen ist, muss ich an dem Glauben festhalten, dass Er sich um jeden Menschen kümmert. Schließlich sandte Er Seinen eigenen Sohn, der stellvertretend für uns ans Kreuz ging, damit wir ewiges Leben haben, wenn wir an Ihn glauben. Deswegen lebe, kämpfe und liebe ich.

Ich weiß, dass Jesus eines Tages wiederkommen wird. Bis dahin ist Er bei uns und wir können gleichzeitig gebrochen und geheilt sein. Wir können kämpfen und gleichzeitig leben. Während wir auf die vollständige Heilung und Wiederherstellung im Himmel warten, können wir Erlösung von unserem vergangenen und gegenwärtigen Schmerz erfahren. In Jesaja 35 steht, dass Gott einen Ort vorbereitet, für alle, die an Ihn glauben. „Ihr Gesicht spiegelt unendliche Freude wider. Freude und Glück werden bei ihnen einkehren, Kummer und Seufzen aber werden vor ihnen fliehen.“ Kannst du dir diesen Tag vorstellen? Bei der bloßen Vorstellung kommen mir schon die Tränen. Halte dich an dieser Hoffnung fest, teile sie mit anderen und vergiss nicht, dass es einen Rest Gläubige gibt, die für dieselbe Wahrheit kämpfen und sich an dieselbe Hoffnung klammern. Bleib dran. Du bist niemals allein.
Grace Ann





